Evangelische Kirchengemeinde Hiesfeld - leben & erleben

Auf ein Wort


Pfr. Quinton Ceasar

Liebe Schwestern und Brüder!

»Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" -

"von mir aus...", möchte ich unbefangen antworten....

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

So steht es in der Apostelgeschichte Kapitel 5,29. Dieser Vers ist zugleich der Monatsspruch für Juni.

Die Apostelgeschichte berichtet hier konkret von den Erfahrungen und Erlebnissen der Apostel in Jerusalem. Sie sind zu Zeugen des Evangeliums geworden. Dabei geraten sie immer mehr unter Druck, weil sie sich nicht den Mund verbieten lassen wollen. Sie müssen einfach die gute Nachricht weitererzählen.

Wat mutt, dat mutt!

In dieser Situation fühlen sie sich durch die Ankündigung Jesu gestärkt:

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Grenzen der Welt. (Apostelgeschichte 1,8)

Liebe Freunde, ob wir nun Angst haben vor körperlichem Schaden, vor sozialer Schande oder Demütigung wie die Apostel – wenn wir uns unseren Ängsten und schlimmen Befürchtungen stellen, statt sie zu leugnen, werden wir es schaffen, dass sie uns nicht vollends lähmen.

Ich kann mich noch genau an meine Unsicherheit und Nervosität erinnern, als ich zum ersten Mal gepredigt habe.

Ich kann mich an mein Herzklopfen erinnern.

Und auch nach inzwischen vielen Vorträgen und Predigten verspüre ich noch immer ein gewisses Grummeln im Bauch.

Wir Menschen sind ja soziale Wesen. Es ist uns nicht egal, was andere über uns denken - und oft machen wir uns deshalb abhängig von der Meinung anderer.

Wir können uns dem kaum entziehen.

Aber wenn ich in die Gesichter der Gemeinde schaue, werde ich daran erinnert, dass wir alle Gottes Kinder sind. Da weiß ich: Ich spreche gerade mit meinen Schwestern und Brüdern. Uns vereinen die gleichen Hoffnungen und die gleichen Ängste.

Unsere größten Ängste, so sagt es der bekannte südafrikanische Theologe Desmond Tutu, sind in der Regel die vor Schmerz und Tod.

Mit dessen realen Bedrohungen bin ich in Südafrika sehr früh in Kontakt gekommen.

So, wie das zu Ende gehende Unrechtssystem der Apartheid kaltblütig um sich schlug, wurde mir schon als Kind allzu bewusst, wie zerbrechlich ein Leben sein kann. Aber die Kirchen in Südafrika haben sich, zusammen mit anderen Glaubensgemeinschaften, sehr stark gegen dieses menschenverachtende System gewehrt.

Desmond Tutu sagte:

"Für die unter uns, die an die Auferstehung glauben, ist der Tod nicht einmal das Schlimmste, das uns angetan werden kann.

Denn sie können nicht unsere Vernichtung herbeiführen – und das ist es ja, was sie wollen."

Natürlich ist es nicht so, als mache es uns Christinnen und Christen nichts aus zu sterben, oder als bedrücke es uns nicht, wenn wir erleben, wie Menschen, die wir lieben, sterben. So ist es wohl kaum!

Aber obwohl unser Leben immer wieder Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt ist, wie auch das der Apostel damals in Jerusalem, können wir uns in Gottes Händen bergen, können wir uns bei ihm aufgehoben fühlen.

Liebe Schwestern und Brüder, wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen,

hören wir im Monatsspruch für Juni 2017.

In der Bergpredigt (Matth. 5, 13) heißt es: "Ihr seid das Salz der Erde."
Es steht dort nicht, wir sollen das Salz sein. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer sagte, dass es nicht in unsere Entscheidung gestellt sei, ob wir das Salz sein wollen oder nicht. Wir seien sozusagen dazu verdonnert, als Gemeinde sichtbar und erkennbar zu sein. Auch hier in Hiesfeld. Deshalb müssen wir auf Gottes Stimme hören und danach handeln.

„Die Nachfolgenden sind mit all dem nicht mehr vor eine Entscheidung gestellt: Die einzige Entscheidung, die es für sie gibt, ist schon gefallen. Nun müssen sie sein, was sie sind, oder sie sind nicht Nachfolger Jesu. Die Nachfolgenden sind die sichtbare Gemeinde, ihre Nachfolge ist ein sichtbares Tun, durch das sie sich aus der Welt herausheben (…) Und zwar ist die Nachfolge so sichtbar wie Licht in der Nacht, wie ein Berg in der Ebene“ (D. Bonhoeffer, Nachfolge, 2002)

Liebe Gemeinde, wir müssen im Gehorsam auf Gott hören, was Gott uns ans Herz legt. Wir müssen in der Nachfolge Jesu der Ungerechtigkeit und Kälte dieser Welt unser Licht sein und Salz sein entgegensetzen – weil es zu unserer zentralen Aufgabe als Christinnen und Christen gehört...heute wie damals.

Auch unter bedrohlichen Umständen sind wir Botschafterinnen und Botschafter Gottes: zu Hause, in Kirche und Gemeinde und auf den Marktplätzen dieser Welt.

Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr
Pfarrer Quinton Ceasar



Zurück nach oben

Download
Der aktuelle Gemeindebrief:
leben & erleben
(PDF-Datei)
Losung
Ein Bibelwort für den heutigen Tag.
 

© 2006 by Evangelische Kirchengemeinde Hiesfeld | Impressum