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Auf ein Wort


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Die Bedeutung des Laienkelches für die Reformation

Am 31. Oktober ist es wieder soweit. Wir feiern als Protestanten den Reformationstag. In diesem Jahr ein besonderes Fest, nicht nur, weil es ein gesetzlicher Feiertag ist. 500 Jahre Reformationsjubiläum. Anlässlich dieses Jubiläums findet zum Abschluss zentral ein Gottesdienst am 31. Oktober um 19 Uhr in der Ev. Kirche Götterswickerhamm statt.
Dazu sind Sie herzlich eingeladen.
Ein starkes Symbol der Reformation, das meiner Meinung nach viel zu selten gewürdigt wird, ist die Feier des Abendmahls unter beiderlei Gestalt, also Brot und Wein, für alle Gläubigen.
Schon gut hundert Jahre vor Martin Luther fordert der böhmische Theologe und Reformator Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz die Feier des Abendmahls mit Brot und Wein für alle Gläubigen, entgegen der in dieser Zeit herrschenden Praxis, dass einzig der Priester das Abendmahl in Brot und Wein zu sich nimmt, während die Gemeinde „Laien“ das Abendmahl einzig in Form des Brotes bekommen. Wahrscheinlich führte die Angst, dass Wein aus dem Kelch während der Feier des Abendmahles verschüttet werden könnte, zu dieser Praxis. Da nach damaliger Lehre der ganze Christus sowohl in Brot als auch im Wein der Abendmahlsfeier enthalten ist, reichte es aus, das Brot alleine zu empfangen, um die volle Wirkkraft des Abendmahles zu erhalten.
Jan Hus dagegen begründete seine Forderung aus dem biblischen Text. Dort steht das Trinken aller aus dem Kelch gleichwertig neben dem Essen des Brotes. Das Konzil zu Konstanz verurteilte Jan Hus als Ketzer und beschloss ein offizielles "Kelchverbot für die Gemeinde".
Bevor Jan Hus als Ketzer 1516 verbrannt wurde, soll er folgende Worte gesagt haben:

"Ihr bratet jetzt ein Huss, das ist ein Gans, aber nach hundert Jahren wird aufstehen labod, das ist ein Schwan, der da singen wird und wird von euch nicht gebraten werden."

Martin Luther sah in Jan Hus seinen Vorläufer und in sich selbst dieses prophetische Wort erfüllt.
Ab 1519 trat Luther öffentlich für die Abendmahlsfeier unter beiderlei Gestalt – in Brot und Wein – ein. Er bezog seine Position aus dem biblischen Verständnis und der Argumentation des Jan Hus.
In den folgenden Jahren wurde der so genannte Laienkelch ein wichtiges Symbol und Erkennungszeichen der Reformation. Noch heute findet man in Anlehnung an das prophetische Wort symbolische Darstellungen Martin Luthers als Schwan.

In jeder Feier des heiligen Abendmahls steht uns Protestantinnen und Protestanten mit dem Kelch Christi ein Zeichen in doppelter Weise vor Augen. In, mit und unter Brot und Wein schenkt sich Christus ganz den Gläubigen, allein aus Gnade und Liebe.
Der Kelch Christi ist das Symbol unserer protestantischen Wurzeln.

Ihr
Pfarrer Sven Hesse



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